Ein Einblick aus dem Einzelcoaching mit dem Strategiefächer
Im Einzelcoaching erzählte mir ein Lernender ganz offen, dass er manchmal keine Lust auf Schule habe. Kein Drama, kein Widerstand, kein Provokationssatz, eher ein leises Feststellen. Ich habe ihm zuerst eines gesagt: Dass solche Gefühle völlig in Ordnung sind.Dass es normal ist, nicht jeden Tag motiviert aufzuwachen.Und dass wir uns das gemeinsam anschauen können, ohne Bewertung, ohne Druck. Dann stellte ich ihm eine Frage, die den Blick leicht veränderte: „An welchen Tagen ist das besonders so?“ Er dachte einen Moment nach und ergänzte von sich aus, dass er das Gefühl oft morgens seinen Eltern gegenüber äußert, bevor er zur Schule geht. Wir blieben bei dieser Beobachtung und gingen einen Schritt weiter.
Vom Gefühl zur Ursache – durch Reflexion
Ich fragte ihn, ob ihm etwas auffalle, wenn er an diese Tage denkt.
Nach kurzem Überlegen sagte er: Es sei immer dann, wenn er müde sei. Ab diesem Moment waren wir nicht mehr beim Thema „keine Lust auf Schule“, sondern mitten im Lernprozess, genauer gesagt: bei den eigenen Lebens- und Lerngewohnheiten. Wir sprachen darüber, wann er abends ins Bett geht, wie sein Abend aussieht, ob es Rituale gibt und wie er sich morgens fühlt. Nicht ich habe bewertet. Nicht ich habe Lösungen vorgeschlagen. Ich habe nur zugehört und Fragen gestellt.
Ich fragte ihn, ob er sich gemeinsam mit mir eine Strategiekarte anschauen möchte.
Nicht, um etwas „zu verbessern“, sondern um Ideen zu sammeln. Wir entschieden uns für die Karte „Schlafgewohnheiten verbessern“. Zuerst lasen wir gemeinsam den Abschnitt:
Warum Schlaf so wichtig ist. Allein dieser Teil veränderte etwas. Er begann zu nicken, machte Verbindungen, stellte Bezüge zu sich selbst her. Dann fragte ich ihn:„Wenn du das so liest – gibt es etwas, das du dir vorstellen könntest zu verändern?“ Und dann geschah etwas Wichtiges: Die Ideen kamen nicht von mir. Sie kamen von ihm.
Er sprach über spätes Einschlafen, über das Handy am Abend, über fehlende Ruhe vor dem Zubettgehen. Auf der Rückseite der Karte schauten wir uns gemeinsam die Impulse an. Vieles hatte er bereits selbst genannt. Manches setzte er sogar schon um. Anderes war neu, nicht als Forderung, sondern als Möglichkeit. Genau hier zeigt sich, wie Lernstrategien wirken können, wenn sie nicht belehrend, sondern begleitend eingesetzt werden: Sie geben Sprache. Sie geben Struktur. Und sie lassen Raum für eigene Entscheidungen. Das ist metakognitives Lernen im Alltag: wahrnehmen, reflektieren, Zusammenhänge erkennen und daraus Schlüsse ziehen.
Eine Strategie – viele Einsatzmöglichkeiten
Diese Arbeit mit der Strategiekarte ist eine Möglichkeit, wie der Strategiefächer im Einzelcoaching genutzt werden kann. Genauso gut kann dieselbe Karte auch in einer Lerngruppe, im Klassenverband oder im Lernbüro eingesetzt werden. Dann vielleicht als Gesprächsanlass, als gemeinsame Reflexion oder als Einstieg in das Thema Lerngewohnheiten. Der Unterschied liegt nicht in der Karte, sondern in der Haltung, mit der wir sie nutzen. Er hilft dabei, vom Gefühl zur Ursache zu kommen. Vom „Ich habe keine Lust“ zu „Ich verstehe, was mir gerade fehlt und ich kann etwas verändern.“ Und genau darin liegt die Kraft von Lernstrategien.

