Schon zu Beginn der Klasse 5 war mir eines immer besonders wichtig: Lernende sollen wissen, wohin sie lernen. Nicht, weil sie müssen, sondern weil Lernen ohne Ziel kaum Raum für Reflexion lässt. Denn nur wer sich ein Ziel setzt, kann später auch zurückschauen und überlegen: Habe ich es erreicht? Und wenn nicht – was hat mir gefehlt, was könnte ich verändern?
Damals wusste ich selbst noch nicht genau, wie Kinder Lernziele eigentlich gut formulieren können. Vieles war unklar, vieles diffus. Trotzdem habe ich darauf geachtet, dass Lernziele formuliert wurden, manchmal sogar kontrollierend, weil ich spürte, wie zentral dieser Schritt für selbstreguliertes Lernen ist. Dieser Gedanke trägt mich bis heute.
Ich habe recherchiert, nachgefragt, Gespräche geführt – auch mit Professoren und Professorinnen. Ich bekam viele wertvolle Hinweise dazu, was gute Lernziele ausmacht. Das war schlüssig und fachlich absolut richtig. Was mir jedoch fehlte, war die Antwort auf eine ganz praktische Frage aus dem Schulalltag:
Wie vermittle ich das Kindern so, dass sie wirklich damit arbeiten können?
Also begann ich, es selbst zu übersetzen. In kleine Schritte. In eine Sprache, die Lernende verstehen. In eine Art Schritt-für-Schritt-Begleitung, die Orientierung gibt, ohne einzuengen. Aus diesem Prozess heraus entstanden schließlich die Strategiekarten zum Thema Lernziele formulieren.
Mit meinen Lernenden habe ich diese Strategie zu Beginn der Klassenstufe 7 bewusst eingeübt, immer wieder aufgegriffen, reflektiert und im Alltag verankert. Und auch heute noch schaue ich jeden Morgen darauf, dass Lernziele formuliert werden, nicht als Pflicht, sondern als Einladung, den eigenen Lernweg bewusst zu gestalten.
Seit die Strategien nun als gedruckter Strategiefächer vorliegen, kann ich noch einmal anders damit arbeiten: sichtbar, greifbar, im täglichen Einsatz. Manche Lernenden brauchen genau das – mehr Begleitung, mehr Beispiele, mehr Zeit. Und das ist völlig in Ordnung. Lernen ist kein linearer Prozess. Es ist ein Weg. Und Lernziele können dabei ein leiser, aber verlässlicher Kompass sein.

